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19. Dez. 2019

Ärztliche Aufklärungspflicht nur wenn es alternative Behandlungsmethoden gibt

Der Oberste Gerichtshof billigte diese Entscheidung. Der Arzt muss nicht stets von sich aus alle theoretisch in Betracht kommenden Behandlungsmöglichkeiten oder Operationsmöglichkeiten mit dem Patienten erörtern. Mangels Indikation für eine Kaiserschnittentbindung muss der Patientin etwa nicht ungefragt erläutert werden, welche Entbindungsmethoden theoretisch in Betracht kommen und was für und gegen die eine oder andere dieser Methoden spricht, solange der Arzt eine Methode anwendet, die dem medizinischen Standard genügt. Eine Aufklärung über Behandlungsalternativen ist erforderlich, wenn für den konkreten Behandlungsfall mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen, die gleichwertig sind, aber unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen haben. Im vorliegenden Fall gab es keine Hinweise auf die äußerst seltene Komplikation. Die Suche nach einer Vasa praevia mittels vaginalem Farbdoppler-Ultraschall durch den Beklagten war medizinisch nicht indiziert. Das Vorliegen einer Aufklärungspflichtverletzung durch den Beklagten wurde zu Recht verneint. Dies gilt auch dann, wenn berücksichtig wird, dass die Erstklägerin eine ängstliche bzw besonders besorgte Patientin gewesen sein soll. Gerade dieser Umstand könnte eine extensive Aufklärung nicht stützen. Nach der Rechtsprechung ist die Aufklärung nämlich bei besonders ängstlichen Menschen auf ein Minimum zu beschränken, damit solche Patienten vor psychischen Pressionen bewahrt werden.

 

OGH | 4 Ob 256/16z

(obiger Text entstammt teilweise oder gänzlich aus der vom OGH veröffentlichten Entscheidungs-Kurzfassung)

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