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Pümpel-Pleite: Hypo schießt gegen BAWAG

Vorwürfe "aus der Luft gegriffen, ehrenrührig"
Bregenz (VN-von Erich Ortner) Befremdet, um nicht zu sagen empört ist man in der Hypo-Zentrale angesichts der Anwürfe und Vorhaltungen, die es seitens des BAWAG-Prokuristen Mag. Pichler im Zusammenhang mit der Verwertung der Pümpel-Liegenschaften in Frastanz an die Adresse der Landesbank abgesetzt hat (die "VN" berichteten vorgestern). Und auch Masseverwalter Dr. Stefan Müller will sich "vorbehalten, notfalls die ehrenrührigen Vorwürfe gerichtlich klären zu lassen".

Die BAWAG hatte ein „aufklärungsbedürftiges Zusammenspiel“ geortet, indem der Masseverwalter der Pümpel-Insolvenz und die Hypo (über deren 100prozentige „Enkeltochter“, die HP-Immotreu) quasi Konsens darüber erzielt hätten, daß die Liegenschaft der ehemaligen Fassaden- und Fensterbaudivision der Pümpel-Firmengruppe sich für maximal 37 Mill. S an Kaufinteressenten verhökern lasse – wo doch Schätzgutachten dem Areal einen Wert zwischen 55 und 98 Mill. S attestiert hätten. Dazu Masseverwalter Müller: „Dabei handelt es sich um von der früheren Geschäftsführung in Auftrag gegebene Gutachten – sie haben sich, nach Kontakten mit Hunderten in- und ausländischen Interessenten und Verkaufsinseraten in Fachpublikationen, als unrealistisch hoch und am Markt nicht durchsetzbar erwiesen. Pümpel hatte erst 1993 ja selbst für nur 33 Mille die Liegenschaft erworben: Wenn der Gläubigerausschuß jetzt also ein Kaufangebot von 37 Millionen goutiert, ist dies sehr wohl ein angemessener Erlös und keine Verschleuderung!“

Schlecht, so Hypo-Vorstandsdirektor Dr. Ernst Stadelmann, steht es der Gewerkschaftsbank außerdem an, sich darüber zu mokieren, daß die mit 45 Mill. S im ersten Besichtigungsrang auf dem Grundstück eingetragene Hypo jetzt via Enkelfirma das von Gläubigerausschuß bzw. KSV, AKV und Bank Austria angenommene höchste Kaufangebot gelegt habe. „Die BAWAG selbst war seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens vor einem Jahr im Gläubigerausschuß vertreten: Sie wurde bis heute von niemand daran gehindert, einen besser bietenden Kaufinteressenten aufzutreiben oder selbst ein höheres Angebot zu unterbreiten“, signalisierte der Hypo-Direktor sehr wohl ausdrückliches Verständnis für die vom Masseverwalter formulierte Klage, daß sich die BAWAG im Gläubigerausschuß nicht eben durch kooperative Lösungssuche und Einsatz hervorgetan habe.

Auch die „Anregung“ Pichlers, aufs neue schätzen zu lassen und dann öffentlich zu versteigern, erscheint dem Masseverwalter nicht zielführend: Erstens seien die Möglichkeiten eines (aus Gläubigersicht) optimierten Verkaufes schon jetzt denkbar umfassend ausgelotet worden. „Zweitens kostet jeder Tag, den wird bis zu einer allfälligen Versteigerung weiter zuwarten, 11.600 Schilling an Zinsen“, will Müller schnellstmöglich „retten, was noch zu retten ist“.

„Liebe Martha“
BAWAG-Oberprokurist Pichler hatte ein „Indiz für das Existieren einer Achse zwischen Masseverwalter und Hypo“ auch in der Tatsache geortet, daß Dr. Müller in einer Korrespondenz mit der Leiterin der Hypo-Rechtsabeilung, Mag. Martha Broger, diese kurzerhand als „liebe Martha“ titulierte. „Ich habe dem Herrn Prokuristen dafür leider nur eine höchst unspektakuläre Erklärung anzubieten“, lüftete die Referentin via „VN“ das „Geheimnis“: Ich war bis vor fünf Jahren selbst als Konzipientin in der Anwaltskanzlei Dr. Piccolruaz – Dr. Müller tätig, bin also, hoffentlich nicht unerlaubterweise, auch mit Herrn Dr. Müller gut bekannt. Die von Mag. Pichler abgeleiteten Unterstellungen weise ich deshalb aufs entschiedenste zurück!“.

Vorarlberger Nachrichten, 16.02.1995

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