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Pümpel-Pleite: BAWAG fordert Aufklärung

Verkauft Masseverwalter in Frastanz zu billig?
Feldkirch (VN-von Erich Ortner) Keinesfalls auf sich sitzen lassen möchte die Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG) den vom Masseverwalter in der Riesenpleite der Pümpel-Firmen, Dr. Stefan Müller von der Bludenzer Sozietät Piccolruaz & Müller, kürzlich erhobenen Vorwurf, sie, die BAWAG, lege sich gegen den Verkauf einer Frastanzer Liegenschaft aus der Pümpel-Konkursmasse quer (die "VN" berichteten): "Wie wahren nur unsere legitimen Interessen!"

Auf diesen Nenner brachte in einem „VN“-Gespräch Oberprokurist Mag. Pichler vom Wiener BAWAG-Headquarter die Strategie seines Hauses, die „der Herr Masseverwalter aus welchen Gründen immer in ein für uns ungünstiges Licht rücken möchte“. Wie berichtet, hatte Müller im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Verkauf der Frastanzer Liegenschaft der ehemaligen Fenster- & Fassadenbau Seraphin Pümpel + Söhne GmbH, eine Attacke gegen die Gewerkschaftsbank geritten. Mag. Pichler: „Dieses Grundstück mit Halle weist eine Totalbelastung von 110 Mill. S auf – im 1. Rang die Ländle-Hypo mit 45, im 2. Rang uns mit 265, im 3. Rang wieder die Hypo mit ebenfalls 26 Mill. S und erst ab dem 4. Rang sonstige Gläubiger. Wir können doch nicht einem für nur 37 Mill. S geplanten Verkauf der Liegenschaft unsere Zustimmung erteilen, wenn drei unabhängig von einander erstellte Schätzungsgutachten deren Wert zwischen 55 und 98 Mill. S beziffern“, wies Pichler darauf hin, daß „bei einer Verscherbelungsaktion für nur 37 Mille die im ersten Rang besicherte Hypo nur einen Teil ihres Geldes, wir im zweiten Rang gar keinen Schilling mehr sehen würden.“

Stutzig mache die BAWAG, so Mag. Pichler, daß „um besagten Okkasionspreis ausgerechnet die HP-Immotreu Grundstückverwaltungs GmbH als Käuferin auftreten würde – die wiederum mehrheitlich eine Enkelgesellschaft der Ländle-Hypo ist“ (Pichler). Er, Pichler, bzw. die BAWAG wollten hier niemand Unrechtmäßigkeiten oder gar abgekartete Spiele unterstellen – doch könne hier wirklich der Eindruck entstehen, daß „es ein Zusammenspiel von Hypo und Masseverwalter gibt und nur deshalb so unterpreisig verkauft werden soll, weil man vielleicht schon jemand zur Hand hat, welcher der HP-Immotreu die Liegenschaft dann um deutlich mehr als die von ihr berappten 37 Millionen abnimmt“, ist für BAWAG-Mann Pichler „hier zumindest eine aufklärungsbedürtige Optik gegeben.“

Pichler wunderte sich im „VN“-Gespräch, warum hier nicht der einzig korrekte Weg eingeschlagen werde – in Form von nötigenfalls abermaliger Schätzung und öffentlicher Versteigerung. „Müller hätte als Masseverwalter sogar die Pflicht, durch möglichst hochpreisigen Verkauf möglichst viel für die Masse zu erlösen – mit der von uns bewußt abgebogenen Veräußerung für nur 37 Mill. S käme er dieser Verpflichtung aber nie und nimmer nach“, wäre laut Pichler schon eine Aufklärung darüber interessant, welche Interessen den Masseverwalter die geschilderte Gangart einschlagen ließen.

Brief an „Liebe Martha“

Noch ein weiteres Indiz fügt sich in dieses laut BAWAG-Prokurist aufklärungsbedürftige Bild. In einem Schriftverkehr an die zuständige Hypo-Sachbearbeiterin Mag. Martha Broger tituliert Müller selbige als „liebe Martha“. Mag. Pichler: „Für eine Korrespondenz zwischen Bank und Anwaltskanzlei, in der es um Dutzende Mill. S geht, ein ungewöhnlich amikaler Ton!“

Vorarlberger Nachrichten, 14.02.1995

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